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Einheit 4: Ein Eindruck von mittelalterlicher Religiosität

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Unterrichtsverlauf in Schritten für Teil 2

„Erzählt die Geschichte wirklich in der Vergangenheit geschehene Dinge?“

Zeit:
1. Teil: 60 Minuten
2. Teil: 45 Minuten

Hinweis:
Den zweiten Teil dieser Einheit kann man am folgenden Tag wieder im Klassenzimmer stattfinden lassen. Idealerweise sollte ein Experte, also ein Historiker, befragt werden können.

1. Schritt: Anknüpfen an die Problemfrage
  • Impuls zur Wiederholung: Kartenskizze des vorangegangenen ersten Teiles der Einheit
  • Die SchülerInnen erinnern sich an die Ergebnisse der Vorstunde, auch mit Hilfe von entsprechenden Wort- und Bildkarten, die an die Zeitleiste geheftet werden. 
  • Anknüpfen an die Fragestellung der Vorstunde (Tafelbild):

1_4_tafelbild_vorschau (siehe Materialteil)

als Impuls: „Erzählt die Geschichte Dinge, die wirklich in der Vergangenheit geschahen?“

  • SchülerInnen suchen nach Lösungsstrategien etwa: Wir könnten noch andere Quellen befragen, falls es entsprechende gibt. Wir könnten den Archivar oder in Andechs fragen, ob das Messbuch aus der Zeit um 1229 stammt, oder ob die Geschichte darin – so wie bei den Bildern – vielleicht erst viel später aufgeschrieben wurde.“
2. Schritt: Lösungsmöglichkeit: Einen Experten zum Thema befragen
  • Lehrkraft: „Ich habe jemanden gesucht, dessen Beruf es ist, Fragen an die Vergangenheit mit Quellen zu beantworten. Er wird uns heute helfen, Antwort auf unsere Fragen zu finden!“
  • Schüleräußerungen: „Das ist ein Historiker.“ 
  • Der Historiker erklärt im Unterrichtsgespräch, dass Forscher sehr oft Quellen miteinander vergleichen, um zu erfahren, wie alt sie ungefähr sind. 
  • Gegebenenfalls Impuls der Lehrkraft zur Erinnerung an Vorwissen: „Diese Methode haben wir doch auch schon angewandt!“ 
  • Schüleräußerung: „Wir haben in der Kirche die Fenster mit Abbildungen von Fenstern aus verschiedenen Jahren verglichen. So konnten wir das ungefähre Alter der Fenster feststellen.“
3. Schritt: Lösung über Forschungsergebnisse der Historiker: Vergleich als Methode
  • Der Historiker berichtet über Forschungen (siehe Materialteil):
     
    • Das Alter der zusätzlichen Einträge über die Wundertätigkeit des Kreuzes im Messbuch kann man durch Schriftvergleich feststellen. „Die Schrift der Einträge in dem alten Messbuch zeigt, dass diese Geschichten erst 150 Jahre nach den Wundern aufgeschrieben wurden (1391-1398). Da kann es schon sein, dass grundsätzlich manches nicht mehr richtig im Gedächtnis war.“ (Thoma, G.: Ortsgeschichte, S. 1026)
    • Spontanäußerungen der SchülerInnen
    • In der Geschichte wird erzählt, dass Agnes ein Stück der Dornenkrone Jesu in das Kreuz gelegt habe. Deshalb seien dann die Wunder geschehen. Historiker haben anhand von Quellen geprüft, ob das so stimmen kann. Richtig ist, dass Agnes, die Tochter des Grafen Bertholds IV., mit dem französischen König verheiratet war. Sie starb im Jahr 1201. Doch die Dornenkrone wurde erst nach ihrem Tod, im Jahr 1239 an den König von Frankreich verkauft. (vgl. Schütz, Alois: Das Forstenrieder Kreuz. Zur Herkunft einer bedeutenden romanischen Plastik des frühen 13. Jahrhunderts, in: Thoma Gertrud (Hg.): Forstenried. Acht Jahrhunderte Siedlung und kirchliches Leben im Süden von München, St. Ottilien 1994, S. 66 f.)
  • Zusammenfassung etwa: Aus den Untersuchungen der Historiker ergibt sich, dass die Geschichte im Andechser Messbuch über das Kreuz erst 160 Jahre später verändert aufgeschrieben, ja auch teilweise sogar erfunden wurde. Die Dornenkronengeschichte kann so nicht korrekt sein; manches können die Historiker nicht mehr genau nachprüfen, es könnte auch so stimmen: Die Antworten, die uns die Geschichte auf die Frage nach der Herkunft des Kreuzes gibt, stimmen also vielleicht nicht, wir können den Antworten nicht vertrauen (siehe Tafelbild).
4. Schritt: Den Quellenwert der Legende beurteilen
  • Impuls: „Warum hat jemand wohl die Geschichte von dem Kreuz verändert aufgeschrieben und die Sache mit der Dornenkrone dazu erfunden?“ 
  • Schülervermutungen: „Sie wollten vielleicht, dass Forstenried als heilig gilt und berühmt wird. Es sollten viele Pilger nach Forstenried kommen.“ 
  • Historiker: „Solche religiösen Geschichten wurden damals oft erzählt. Man nennt sie Legenden. Den Verfassern war gar nicht so wichtig, ob die erzählten Geschichten genau so passiert sind, sondern sie sollten Personen oder Gegenstände als heilig und verehrungswürdig darstellen. Sie sollten die Leute von der Macht Gottes oder der Heiligkeit des Ortes überzeugen. Die Verfasser haben also eine bestimmte Absicht verfolgt mit diesen Legenden. Dafür wurden wahre Geschichten erzählt oder ausgeschmückt, aber auch neue kombiniert oder erfunden. Legenden sagen nicht, wie es wirklich gewesen ist, sondern wie sich die Leute damals etwas vorstellen sollten oder vorgestellt haben.“ 
  • Impuls: „Dann kann man also Legenden nicht als Quelle benutzen, um etwas korrektes über die Vergangenheit zu erfahren. Sie erzählen doch Erfundenes!“ 
  • Historiker: „Legenden sind keine Quellen für wirklich geschehene Dinge der Zeit, über die sie berichten, sondern dafür, wie die Leute in der Zeit dachten, von der die Legende berichtet.“ (siehe Tafelbild)
5. Schritt: Bedeutung des Kreuzes für die Menschen beurteilen (Sachurteil)
  • Impuls: „Wir wissen schon, wie die Leute über das Forstenrieder Kreuz dachten und warum so viele zu dem Kreuz kamen!“ 
  • Schüleräußerungen: „Die Menschen haben gehofft, Gott dort besonders nahe zu sein. Sie erhofften ein Wunder oder eine Rettung aus einer Not, wenn sie an diesem Ort beteten.“ 
  • Lehrkraft deutet an der Zeitleiste auf die Urkunde von 1433 (Stiftung des Benefiziums) und auf die Fenster, die in der Zeit der Gotik eingebaut wurden. 
  • Schüleräußerungen: „Wahrscheinlich wurde die Kirche vergrößert und modernisiert, weil immer mehr Menschen als Pilger zu dem Kreuz kamen. Den Menschen war das Kreuz sehr wichtig. Deshalb gaben sie Geld aus für den Umbau. Sie erhofften sich dafür den Lohn Gottes nach dem Tod.“ 
  • Impuls zur Bildung eines Sachurteil: „Viele Dinge an der Kirche wurden modernisiert, aber das romanische Kreuz wurde nie durch ein moderneres ersetzt!“ 
  • Schüleräußerungen: „Nur dieses originale Kreuz wurde für wundertätig gehalten.“ 
  • Impuls: „Wir wissen nun auch, warum das Kreuz lange für wundertätig gehalten wurde!“ 
  • Schüleräußerungen: „Es wurde in der Legende so erzählt und die Menschen glaubten diese Dinge.“
  • Zusammenfassung: Die Legende um das Kreuz hat also dafür gesorgt, dass das Kreuz immer noch vorhanden ist. Die Legende kann als Quelle nicht die Frage nach der Herkunft des Kreuzes beantworten, dagegen aber sein Bestehen bis heute erklären.
6. Schritt: Werturteilbildung – Gegenwartsbezug
  • Impuls zum Unterrichtsgespräch: „Eine Wallfahrt nach Forstenried wie früher gibt es nicht mehr. Dennoch besuchen viele Fremde unsere Kirche!“ 
  • Unterrichtsgespräch etwa: „Viele Leute aber kommen heute nach Forstenried, um sich das Kreuz anzuschauen, weil sie sich für Kunstgeschichte und das schöne alte Kreuz interessieren. Das Kreuz ist für viele immer noch das Wichtigste an der Kirche in Forstenried, aber unter verschiedenen Perspektiven: als Kunstgegenstand oder als Ort der besonderen Nähe Gottes.“ 
  • Impuls zur Werturteilsbildung: „Was bedeutet das Kreuz für dich?“ 
  • Schüleräußerungen 
  • Verantwortungsbewusstsein im Bezug auf Denkmalschutz anbahnen
7. Schritt: Sicherung

Sachtext für Heft oder kleines Buch über Pfarrkirche formulieren (siehe Materialteil)

Hinweis:
Falls kein Experte zur Verfügung steht, können die drei Texte (siehe Materialteil) und die Information über die Legende (siehe Materialteil) gelesen werden.

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