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2. Religiosität im Mittelalter

Für den mittelalterlichen Menschen war der Glaube in allen Lebensbereichen sehr wichtig. Seine religiösen Vorstellungen sind aber nicht unbedingt die gleichen wie die gläubiger Menschen heute.
2.1 Bußfertiges Leben - Stiftungen
Nach der christlichen Lehre hatte der Südenfall die ewige Erlösung verwirkt und das irdische Leben war Sündenstrafe. Der Tod bedeutete für den mittelalterlichen Menschen nur den Tod des Leibes. Die Seele geriet dann in eine Art Warteposition. Erst beim Jüngsten Gericht, am Ende der Welt, entscheidet Gott, ob dem Menschen ein ewiges Leben im Himmel oder der eigentliche und ewige Tod in der Hölle zukommt.

Im irdischen Leben aber hatte der Mensch die Chance, durch bußfertiges Verhalten für sein Seelenheil vorzusorgen beispielsweise durch gottgeweihtes Klosterleben oder ein Leben im Dienst Gottes, durch Fasten oder körperliche Züchtigung, besonders aber durch gottgefällige Spenden. Wer genügend Geld besaß, stiftete den Kirchen sakrale Gebrauchsgegenstände wie Kerzen oder Messbücher, kirchliches Ausstattungszubehör wie Fenster oder Bilder, aber auch Geld, um Messen halten zu lassen. Besonders vermögende Personen überließen sogar einen Teil ihrer Güter der Kirche, worüber eine Urkunde ausgestellt oder ein Testament verfasst wurde. Von dem überlassenen Vermögen finanzierte man häufig den Lebensunterhalt eines Priesters, der in einer Ortskirche fortan tägliche Messen halten musste. Diese Art von gestiftetem kirchlichen Amt wird als Benefizium bezeichnet. (vgl. Goetz, Hans-Werner: Weltliches Leben in frommer Gesinnung? Lebenswelten und Vorstellungswelten im frühen und hohen Mittelalter, in: Althoff, Gerd / Goetz, Hans-Werner / Schubert, Ernst: Menschen im Schatten der Kathedrale. Neuigkeiten aus dem Mittelalter, Darmstadt 1998, S. 113 f., S. 173 f.)
2.2 Krankheit – Mirakel – Wallfahrten
Der mittelalterliche Mensch glaubte, dass Gott direkt in das irdische Leben durch seine Hilfe oder Strafe eingreift. Krankheit wurde als Strafe Gottes interpretiert. War medizinische Heilung erfolglos, erhoffte man sich Gottes gnädige Hilfe an einem heiligen Ort. Deshalb brachte man Kranke an solche Stellen, wo bereits ein Wunder durch Gottes Wirken geschehen war: beispielsweise an einen Ort, an dem außergewöhnliche Dinge geschahen, die man sich nicht natürlich erklären konnte. Im Spätmittelalter entstanden daraus Wallfahrtsorte, zu denen man pilgerte und Gott dort um Hilfe bat. Wurden Menschen tatsächlich im Zuge einer Pilgerreise wieder gesund, erzählten sie ihre Geschichte auch als Wundergeschichte. Oftmals stifteten sie den Kirchen Bilder, auf denen das geschehene Wunder dargestellt war.
(vgl. Thoma, Gertrud: Mittelalterliche Ortsgeschichte: die Kirche Hl. Kreuz in München-Forstenried, in: Schreiber, Waltraud (Hg): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens, Neuried 1999, S. 1025.)


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